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Aktuelles Podium diskutiert kontrovers GANDERKESEE-STENUM. Das Thema Gesamtschule hat am Montagabend das Dreikönigstreffen der Kreis-FDP im Hotel Backenköhler bestimmt. In einer Podiumsdiskussion mit Fragerunde hatten Befürworter wie Kritiker einer Schulgründung im Landkreis die Möglichkeit, ihre Ansichten zu äußern. Für die Liberalen lehnte der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Ernst-August Bode, die Einrichtung einer Gesamtschule in der Gemeinde Ganderkesee ab. Während der Diskussion war nicht nur das Podium hochkarätig besetzt, im Publikum befanden sich mit Landrat Frank Eger und Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas zudem die Spitzen von Kreis- und Gemeindeverwaltung. Besonderes Augenmerk lag während der Veranstaltung auf den beiden eingeladenen Pädagogen, die jeweils mit Blick auf die von ihnen vertretene Schulform zum Thema referierten. So wies die Schulleiterin des Ganderkeseer Gymnasiums, Renate Richter, auf die Veränderungen hin, die es in den vergangenen Jahren in der Schule gegeben habe. Mit der neuen inhaltlichen und fachlichen Ausrichtung des Gymnasiums, so Richter, seien mittlerweile viele Züge der Gesamtschule in ihrer Schule integriert. "Die Leistung der Gesamtschulen besteht darin, dass sie dabei eine Zeit lang vorangegangen sind", räumte die Schulleiterin ein. Zur Frage nach etwaigen Risiken für das Gymnasium, sollte eine Gesamtschule in der Gemeinde gegründet werden, sagte Richter, das Angebot für die Schüler werde auf lange Sicht leiden. Möglich sei dann nur noch eine Dreizügigkeit in den Jahrgängen, was zu eingeschränkten Wahlmöglichkeiten und weiterer Schülerabwanderung führen könnte. "Das ist meine Sorge in dieser ganzen Diskussion", betonte Richter. Thomas Eden, Jahrgangsleiter an der Integrierten Gesamtschule Delmenhorst, hob die pädagogische Arbeit an seiner Schule hervor. Dort werde gezielt das selbstständige Lernen gefördert und auf individualisierten Unterricht gesetzt. "Kronzeugin" für die gute Arbeit an den Gesamtschulen sei die pädagogisch verwandte Grundschule in Deutschland, die im internationalen Vergleich gut abschneide. Die rechtlichen Voraussetzungen für eine Gesamtschul-Gründung standen unterdessen im Mittelpunkt der Ausführungen von Regierungsschuldirektor Klaus Kapell. Er betonte, dass dafür langfristig mindestens 105 Schüler pro Jahrgang gewährleistet seien müssten. Zudem sei an einer solchen Schule eine Sekundarstufe II empfohlen. Kapell betonte, dass es keinen Bestandsschutz für einzelne Schulen gebe. Es müsse lediglich sichergestellt sein, dass das herkömmliche, dreigliedrige Schulsystem weiter in vertretbarer Entfernung für die Schüler vorgehalten werde. Dies beinhalte eine Fahrt- und Wartezeit von jeweils maximal 90 Minuten für den einfachen Schulweg. Björn Försterling, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Landtagfraktion, verteidigte die aktuellen Regelungen zur Neugründung von Gesamtschulen wie die vorgeschriebene Fünfzügigkeit. "Das darf kein Modetrend sein, der sich zum Rohrkrepierer entwickelt." Zudem seien fünf Klassen pro Jahrgang in der Sekundarstufe I notwendig, damit danach genügend Schüler bis zum Abitur in den Schulen blieben. Der Idee einer Gesamtschul-Gründung erteilte der FDP-Kreistagsfraktionsvorsitzende Ernst-August Bode eine klare Absage. Aus seiner Sicht sei die Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem ein "bildungspolitischer Sündenfall", sagte Bode, der damit zumindest teilweise im Widerspruch zur Landes-FDP steht. Er zitierte Studien, wonach die Gesamtschüler durchschnittlich "ein bis zwei Noten schlechter" seien. Quelle: Weser Kurier vom 14.01.2009 Skeptiker fürchten Aus fürs Gymnasium Dreikönigstreffen - Magere Beteiligung bei Diskussion um Gesamtschule - Eltern fragen nach Risiken Nur etwa 50 Interessierte kamen zum Dreikönigstreffen, um über die Gesamtschule zu diskutieren. Eltern und Lehrer sorgen sich ums Gymnasium. Von Karsten Kolloge Ganderkesee/Stenum - Fast philosophisch klang, was Ganderkesees Gymnasiumsleiterin Dr. Renate Richter da am Montagabend beim FDP-Dreikönigstreffen sagte. "Wenn man etwas zusätzlich bekommt, verliert man auch etwas." Hinter diesen Worten steckte allerdings eine ganz handfeste Sorge: Wenn in Bookholzberg eine Gesamtschule entstünde, dann könnte mittelfristig eine andere Schule verloren gehen - nämlich das Gymnasium Ganderkesee. "Gesamtschule in Ganderkesee - Chancen, Risiken, Nebenwirkungen" hatte die FDP ihr Dreikönigstreffen überschrieben. Eigentlich habe sie bei diesem Thema damit gerechnet, dass der Raum bei Backenköhler in Stenum "wegen Überfüllung geschlossen" werde, meinte FDP-Vorsitzende Marion Daniel. Doch: Nur etwa 50 Interessierte waren gekommen, darunter viele mit FDP-Parteibuch. Was folgte, waren eigentlich zwei Diskussionen: eine über die " bessere Schulform", die andere über die Risiken einer Gesamtschule am Standort Bookholzberg. Bode moniert "Sündenfall" Angepikt durch FDP-Kreistagsfraktions-Chef Ernst-August Bode, der die neuerliche Zulassung von Gesamtschulen in Niedersachsen als "bildungspolitischen Sündenfall" geißelte, ging's zunächst um die Schulform. Bode bemängelte, dass Gesamtschüler zu lange die Schulbank drückten (13 Jahre), auch müsse kritisch nach den Ergebnissen gefragt werden. Entschieden hielt Thomas Eden, Jahrgangsleiter an der IGS Delmenhorst, dagegen. "Was mich an Ihrem Beitrag schockiert: Dass Sie den Elternwillen nicht ernst nehmen." Die IGS Delmenhorst beispielsweise habe so viele Anfragen, dass sie doppelt so viele Schüler aufnehmen könnte. Wenig später bremste Dr. Veronika Vahlhaus-Rutayungwa, Vorsitzende des Schulelternrates am Gymnasium, die Debattierer: "Es liegt den Eltern fern, das eine gegen das andere Schulsystem auszuspielen." Das Thema in Ganderkesee sei ein anderes: Wenn eine zusätzliche Schule hinzukomme, "haben andere Schulen ein Problem". Wie ein solches Problem sich entwickeln könnte, malte Renate Richter in einem Szenario aus: Um ein Gymnasium "vernünftig zu fahren", brauche man eigentlich vier Klassen pro Jahrgang (zurzeit sind es im Schnitt fünf). Angesichts rückläufiger Schülerzahlen sei absehbar, dass es 2020 in Ganderkesee nur noch Dreizügigkeit geben werde. Wenn dann ein Teil der Schüler zur IGS gehe, schlage dies negativ auf die Angebotsvielfalt durch. Das wiederum führe dazu, dass weitere Schüler abwandern. Eine Folge: "Irgendwann steht die Oberstufe auf der Kippe." Eden sieht hohe Hürden Freilich: Ob überhaupt im Landkreis Oldenburg eine Gesamtschule eingerichtet wird, steht für Thomas Eden in den Sternen: Vom Land seien da "enorme Pflöcke eingeschlagen worden, die keinen anderen Schluss lassen als: "Lass die Finger davon'". Die FDP-Kreistagsfraktion, so kündigte Ernst-August Bode an, werde einer IGS am Standort Bookholzberg nicht zustimmen: "In der Gemeinde Ganderkesee ist das Thema für uns durch." MdL Christian Dürr (M.) moderierte die Podiumsdiskussion mit (v.l.) MdL Björn Försterling, Thomas Eden, Dr. Renate Richter und Regierungsschuldirektor Klaus Kapell. Bild: Kk Quelle: Nordwest Zeitung vom 14.01.2009 |